Chronik der Feuerwehr Aystetten

Am 18.April 1875 schlossen sich, nach Aufforderung durch das königliche Bezirksamt Augsburg und aufgrund der distriktpolizeilichen Feuerlöschordnung für die Gemeinden des Amtsbezirkes Augsburg, 34 Männer aus Aystetten zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr Aystetten. Durch Handschlag gaben sie sich das Versprechen, dem Verein treu zu sein und mit dem Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“ jedem Bürger von Aystetten beizustehen, sein durch Feuer bedrohtes Hab und Gut zu retten.

Mit einfachsten Gerätschaften und Mitteln, aber einem starken Gemeinschaftsgefühl setzten sie sich den Unbilden des Feuers zur Wehr.

Reichten damals noch 5 Übungen im Jahr aus, sind es heute mindestens 25 Übungen jährlich, die abgehalten werden müssen. Man ist stets darauf bedacht, mit den ständig wachsenden Anforderungen, den technischen Weiterent- wicklungen der Löschfahrzeuge und Geräte Schritt zu halten. Die Art der Einsätze hat sich gegenüber früher entscheidend geändert.

Die Feuerwehr Aystetten im Jahre 1959 (v.l.n.r. – Namensangaben ohne Gewähr)

Hinten: Schedl Manfred, Schiefele Fritz, Lang Josef, Rauberger Paul, Gschirr Ludwig

2. Reihe: Rehm Valentin, Schwarz Johann, Schnitzler Martin, Vogel Sepp, Unbekannt

3. Reihe: Groß Josef, Betzler Georg (1. Bgm.), Schregle Gottfried, Hillenbrand Cornel

Vorne: Steinbock Josef, Ziesenböck Josef, Mörtl Josef, Huber Alois, Schmid Josef, Vogel Hans, Rauberger Paulus, Rosenwirt Martin, Hillenbrand Ferdinand, Huber Alois, Schwarz Eduard, Veh Hugo, Richter Karl-Heinz (1. Kdt), Hamp Martin

Waren es in der Vergangenheit nur Brandein- sätze, angefangen vom Hühnerstallbrand bis hin zum Brand einer Fabrik, so sind es in der heutigen Zeit hauptsächlich technische Hilfeleistungen wie First-Reponder-Einsätze, Tragehilfen bzw. Unterstützung des Rettungsdienstes, eilige Türöffnungen bei besonderen Gefahren, Verkehrsunfällen, Umwelt- Sturm- und Wasserschäden, zu denen unsere Feuerwehr alarmiert wird.

Gab es früher die Spezialisten wie Sanitäter, Signallisten, die Steiger- und Spritzenmannschaft, so ist es heute die universell ausgebildete Feuerwehreinsatzkraft, die all diese Fer- tigkeiten in sich vereinigen muss.

Natürlich hat die Technik in den vergangenen 40 Jahren den Feuerwehrdienst immer effizienter gestaltet und sie unterstützt den Feuerwehrmann im Einsatz in immer stärkerer Weise.

Musste man früher die Wasserpumpe noch mit der Hand zum Brandort ziehen und mit Wasser füllen, bevor man löschen konnte, erledigen das jetzt unsere modernen Feuerwehrautos mit eingebauten 1000- bzw. 1600-Liter Tanks.

Dieses Fahrzeug wurde auch der Gemeinde für den Winterdienst zur Verfügung gestellt. Als im Winter 1963 in der Bergstraße die Wasserversorgung über Monate zusammengebrochen war, wurde mit diesem Fahrzeug die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt.

Als Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre ein von der amerikanischen Armee zur Verfügung gestelltes Feuerwehrauto in unzähligen Arbeitsstunden von den Mitgliedern des Feuerwehrvereins renoviert und instandgesetzt wurde, gehörte man zu den fortschrittlichsten Wehren im Landkreis Augsburg.

Aus eigenen Mitteln erwarb die Freiwillige Feuerwehr Aystetten dann 1965 ein gebrauchtes Tanklöschfahrzeug TLF 25.

Mit dem Schulneubau in den Jahren 1964 und 1965 wurde der steigende Platzbedarf der Feuerwehr gedeckt. Im Untergeschoß der Turnhalle wurden uns zwei LKW-Stellplätze eingerichtet, sowie ein Schlauchtrockenturm angebaut. Nach zähem Ringen mit der Gemeinde und dem Landratsamt Augsburg konnte ebenfalls ein Aufenthalts- bzw. Schulungsraum nachträglich realisiert werden.

Eine großzügige Spende von Dietrich Bahner ermöglichte es, im Jahre 1968 die Ausrüstung unserer Wehr mit einer Tragkraftspritze TS 8/8 zu ergänzen. Zusammen mit Saug- und Rollschläuchen, Verteiler und einem Standrohr wurde sie in einem Anhänger zum Einsatzort gebracht. Angetrieben von einem unermüdlichen VW-Käfermotor leistete sie bis 1992 zahlreiche Einsatzstunden.

Die beschaffte TS 8/8 bei einer Übung

Im Jahre 1969 schulterte die Gemeinde die Ersatzbeschaffung des Tanklöschfahrzeuges. Es wurde ein MAN-Löschgruppenfahrzeug LF 16 mit Allradantrieb beschafft. Für kurze Zeit hatten wir das modernste Löschgruppenfahrzeug im Raum Augsburg.

Das LF bei der Segnung

Unter anderem war es ausgestattet mit einem 1600 l Tank, einer eingebauten Feuerwehr- kreiselpumpe, Steck- und Schiebeleitern, Schnellangriffsschlauch, sowie einer rollbaren Schlauchhaspel. Später wurde es um 4 Press- luftatmer ergänzt und im Jahr 1975 wurde der Fahrzeugfunk eingebaut. Sogar die Augsburger Berufsfeuerwehr nahm damals unser Fahrzeug als Vorbild für Ihre Fahrzeug-Neubeschaffung.

Ebenfalls im Jahre 1975 wurde unser 100-jähriges Gründungsjubiläum, mit der kirchlichen Weihe und Übergabe der neuen Vereinsfahne, in einem dreitägigen Fest mit einem großen Zelt am Sportplatz, sowie dem großen Festumzug durch die Straßen von Aystetten groß gefeiert.

Eröffnung der 100 Jahrfeier

Zu diesem Anlass wurde vom damaligen Bürgermeister Josef Mörtl ein Tragkraftspritzen- fahrzeug (TSF) Typ Ford Transit als „Geburts- tagsgeschenk“ überreicht. Die Gerätschaften hierfür wurden aus dem Tragkraftspritzenanhänger übernommen. Mit dieser Ausrüstung konnten wir unsere Einsätze gut bewältigen.

TSF auf Ford Transit

Als sich in den 80er Jahren die Einsätze mit technischer Hilfeleistung häuften, und damals bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen, stets die FF Neusäß unterstützen musste, wurde im Jahre 1992 das TSF gegen ein modernes LF 8/6 auf Basis Mercedes Benz ausgetauscht. Mit ihm verfügten wir über ein zweites Löschgruppenfahrzeug mit zusätzlichen Gerätschaf- ten, wie z. B. Stromerzeuger, Beleuchtungsgruppe, hydraulische Rettungsschere und Rettungsspreitzer.

Das neue LF 8/6

Der Ford Transit wurde verkauft, vom Erlös konnte ein ausrangiertes Polizeifahrzeug erworben werden. In Eigenleistung sowie mit Unterstützung von Aystetter Firmen wurde der VW-Bus in ein Mehrzweckfahrzeug umgebaut und Mitte der 1990er Jahre in Dienst gestellt.

Das MZF auf Basis VW T3

Der Zahn der Zeit nagte damals bereits stark an unserem alten LF 16. Nach intensiven Gesprächen mit der Gemeinde, dem Landratsamt und der Regierung von Schwaben bekamen wir nach 27 Betriebsjahren die Genehmigung zur Ersatzbeschaffung.

Das neue Löschgruppenfahrzueug bei der Einweihung

So konnte im Jahre 1996 die Einweihung eines neuen allradgetriebenen MAN-Löschgruppenfahrzeuges LF 16/12 gefeiert werden.Aus dem LF 8/6 wurden die Gerätschaften zur THL übernommen und reduzierten so die Kosten für die umfangreiche Fahrzeugausstattung.

Für das 125-jährige Jubiläum wurde vom Feuerwehrverein ein eigener „kleiner Festplatz“ am Dorfteich landschaftlich gestaltet. Auch wurde ein Festzelt aufgestellt. Auf den Flächen daneben stand ein kleines „Riesenrad“, die Schießbude des Schützenvereins, sowie Verkaufsstände.

Der Festplatz

Mit zahlreichen Aktionen von Kita und den anderen Aystetter Vereinen verbrachten viele Mitbürger kurzweilige Stunden am Festplatz.

Das Programm wurde von Schauübungen der Aystetter Wehr und dem „in einem Sattelauflieger eingebauten, mobilen Rauchhaus“ abgeundet.

Nachdem unser Feuerwehrhaus aus allen Nähten platzte, war ein Um- und Erweiterungsbau unumgänglich. Bei früheren Anfra- gen wurde der Wunsch mit der Bemerkung „Utopie“ abgelehnt. Die Hartnäckigkeit mit einer triftigen Argumentation der damaligen Führungsriege von Aktiver Wehr und Verein zahlte sich aus. Die Planungs-, Beantragungs- und Bauphase ging zügig voran. So haben wir nun in dem neu gestalteten und im Jahre 2001 eingeweihtem Feuerwehrhaus ausreichend Platz für Fahrzeuge, Werkstatt, Atemschutzwerkstatt, Schlauchwäsche und gesellschaftliche Anlässe.

Unser erstes MZF, der VW-Bus, kam nun langsam in die Jahre. Er hatte knapp 200.000 km und 19 Jahre auf dem Buckel. Deshalb wurde er im Jahre 2003 gegen ein neueres Model ausgetauscht (10 Jahre alt und nur 100.000 km). Dieses war mit Allradantrieb, Servolenkung und Standheizung ausgestattet und war beim Vermessungsamt Hessen eingesetzt.

Übergabe des neuen VW Busses durch den damaligen Bürgermeister Max Rindle

Nach Umbau zum Feuerwehrfahrzeug konnte das MZF im September 2003 an uns übergeben werden.

Im Frühjahr 2004 wurde vom Feuerwehrver ein ein Tandemanhänger mit Überfahrrampe erworben und an die aktive Wehr übergeben. Dies war der Einstieg in unser heutiges, sehr variables Rollcontainersystem.

Diese Investitionen in die Zukunft wären ohne die zahlreichen Spenden unserer Mitbürger nicht möglich gewesen. In Zeiten leerer Gemeindekassen sind wir umso mehr auf Zuwendungen angewiesen. An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren bisherigen und zukünftigen Spendern für Ihre Unterstützung herzlich bedanken.

Der stetige Wandel hat auch vor der Feuerwehr nicht Halt gemacht. Die Anzahl der Aktiven nahm ab, die Anzahl der unterschiedlichsten Einsatz-Szenarien nahm jedoch zu. Deshalb standen die Verantwortlichen der Aystetter Wehr vor der großen Herausforderung, den bestehenden Fuhrpark an diese „neue“ Situation anzupassen. Eine Bedarfsanalyse wurde erstellt und zusammen mit einem, auf Feuerwehrfahrzeuge spezialisiertem Planungsbüro entstand ein einzigartiges Konzept:

Der neue Wechsellader mit dem Abrollbehälter „Lösch“

Deren Abschluss war im Mai 2014 die Einweihung und Übergabe des MZF Aystetten 11/1 und des Wechsellader Aystetten 35/1 mit dem AB-Lösch und AB-Logistik.

Das neue Mehrzweckfahrzeug

Einweihung des Wechselladers 2014

Bereits 6 Jahre später ging es an die nächste Fahrzeugplanung. Die Ersatzbeschaffung von unsrem LF 16/12. Ideen für ein neues Fahrzeug wurden gesammelt. Die Fachgremien im Landratsamt und der Regierung von Schwaben gaben uns ihr grünes Licht.

Zusammen mit einem Planungsbüro wurde die notwendige europaweite Ausschreibung erarbeitet und durchgeführt. Das Siegerkonzept wurde von der Gemeinde mit dem Fahrzeugbau beauftragt. Es folgten weitere Besprechungen, Konzeptvorschläge, eine Rohbaubesprechung beim Hersteller sowie die technische Abnahme des Fahrzeugs.

Im Januar 2024 konnten wir unser neues Prachtstück beim Hersteller in Leonding abholen. Im Anschluss folgten zahlreiche Übungen und Einweisungen. Nach der Einweihung und Übergabe des HLF10 am 01.05.2024 erfolgte dessen offizielle Indienststellung.

Einweihung des neuen HLFs

Doch was wäre die Aktive Feuerwehr ohne Nachwuchs? Deshalb gibt es bei uns in Aystetten auch schon lange eine gute Nachwuchsarbeit.

Bereits Anfang der 1970er Jahre wurde in Aystetten eine Jugendfeuerwehr gegründet.

Deren Ziel war, neben dem geselligen Beisammensein, auch in die Feuerwehrwelt hineinzuwachsen, um dann, nach dem Erreichen der Volljährigkeit, in die Aktive Wehr übernommen zu werden. Das Eintrittsalter lag früher im Regelfall zwischen 14 und 16 Jahren, seit den 2000er jedoch schon bei 12 Jahren.

Viele jüngere Kinder, vor allem auch Geschwisterkinder, wollten ebenfalls zu Feuerwehr. Jedoch endete die Anfrage leider immer in einer Absage auf Grund des „Alters“. Daraus entstand nun die Idee, eine eigene Kinderfeuerwehr zu gründen.

Nach einer entsprechenden Vorbereitungszeit war es dann am 16. März 2012 soweit und die Aystetter Kinderfeuerwehr wurde gegründet. Nun können wir schon Kinder ab 9 Jahren spielerisch mit der Feuerwehr vertraut machen. Seit 2022 ist die Kinderfeuerwehr offiziell im Landesfeuerwehrverband Bayern (LFV) verankert.

Heute, 150 Jahre nach Gründung unserer Feuerwehr hat sich in der technischen Ausstattung vieles geändert. Mit unseren Fahrzeugen ist es uns jederzeit möglich, Brandschutz und technische Hilfe zu leisten.

Unser Feuerwehrverein zählt zurzeit 164 Mitglieder. 34 davon sind derzeit bei uns als aktive Feuerwehrdienstleistende tätig.

Vereinsvorstände seit dem 2.Weltkrieg:

• Hans Hillenbrand

• Franz Schneider

• Josef Mörtl

• Werner Wolf

• Alfons Lösch

• Gottfried Seider

• Andreas Apitzsch

• Matthias Hemmerle

• Andreas Apitzsch

1. Kommandanten seit dem 2. Weltkrieg:

• Martin Staudenmeier

• Fritz Schiefele

• Karl-Heinz Richter

• Rudolf Winkler

• Alois Hafner

• Fridolin Groß

• Jürgen Kopp

• Peter Rauberger

• Daniel Apitzsch

• Marc Beck

• Manuel Crantz